Werte müssen gelernt werden – was Wickert Werte wert sind
Schon während seiner Studienzeit interessierte sich Ulrich Wickert für politische Wissenschaften und die damit einhergehende Frage nach den Werten in unserer Gesellschaft. In zahlreichen Vorträgen und Büchern überdenkt Wickert Werte wie Toleranz, Solidarität und Gerechtigkeit und versucht somit, aktiv an der Wertebildung in Deutschland und der Welt teilzunehmen, aber auch seine Mitbürger zu demokratischem Verhalten aufzurufen.
Die Demokratie ist für Ulrich Wickert Grundvoraussetzung unseres Zusammenlebens. Wie die Demokratie aber real aussieht, liegt an ihren Bürgern und den Werten die sie sich schaffen, vorstellen und leben. In seinem Buch „Ihr seid die Macht“ zum Beispiel erklärt Wickert eindringlich, weshalb letztendlich jeder Bürger dazu aufgerufen ist, gleichzeitig Politiker zu sein: nur wer sich aktiv an der Wertediskussion beteiligt und sich mit um die gesellschaftlichen Belange kümmert, anstatt die Diskussion und das Engagement ausschließlich dem jeweiligen Parlament zu überlassen, kann vollwertig in der Gesellschaft leben. Genau dort, in der Gesellschaft anderer Menschen, entstehen nämlich Fragen nach Freiheit, Gleichheit und Solidarität, nicht erst im luftleeren Raum eines für den Normalbürger abstrakten politischen Parlaments. Auch in „Freiheit, die ich fürchte“ ruft Wickert zu aktiven demokratischen Handlungen auf, um Fremdbestimmung durch die Regierung, aber auch die Versteinerung der Demokratie zu vermeiden. Demokratie wird bestimmt durch ihre Lebendigkeit, durch die Fähigkeit der Menschen, Werte permanent zu hinterfragen und neue Handlungskonzepte zu entwickeln, die sich den neuen gesellschaftlichen Realitäten anzupassen vermögen.
Dabei ist sich Ulrich Wickert durchaus darüber im Klaren, dass es nicht immer einfach ist, sich richtig zu verhalten und die seit der Französischen Revolution geltenden demokratischen Forderungen, Werte und Ideale zu verwirklichen. In „Die Zeichen unserer Zeit“ geht er genau diesen Schwierigkeiten auf den Grund, indem er die Entwicklung der Demokratie seit 1789-99 in Europa im Allgemeinen nachzeichnet und sich vor allem auf die Zustände in den Ländern des ehemaligen Ostblocks konzentriert, die seit 2004 zur Europäischen Union gehören. In seiner letzten Veröffentlichung, „Redet Geld, schweigt die Welt – Was Werte uns wert sein sollten“, widmet Wickert sich dem zur Zeit wohl brisantesten Thema der Finanzkrise und fordert auf zu Werten wie Solidarität, Anstand und Ehrlichkeit, da nur diese Werte den Weg aus der Krise weisen können.
